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Die Geschichte der Friedensstadt

Auszug aus dem Buch "In Hietzing gebaut", Band 2, von Gerhard Weissenbacher, mit freundlicher Genehmigung "Verlag Holzhausen"  http://verlag.holzhausen.at/ 

Foto: K. Brunnbauer                                                                                        Die Siedlung "FRIEDENSSTADT"Friedensstadt

Adresse           Hermesstraße (gegen Lainzer Tor), Großer Ring, Kleiner Ring, Pallenbergstraße, Jenbachgasse, Hörndlwaldgasse, Friedensstadtgasse, Kramer-Glöckner-Straße, Kernhausgasse, Friedenszeile

Bauträger        Erste gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft der Kriegsbeschädigten Österreichs Lainzer Tiergarten („Friedensstadt")

Planung          Adolf Loos, Margarete Schütte-Lihotzky, Hans Kampffmeyer

Bauzeit            1921 (Beginn)

BAUGESCHICHTE

Dieses Siedlungsvorhaben am Lainzer Tiergarten. dessen Verwirklichung 1921 begonnen wurde, gehört zu den zahlreichen Planungen der Zwischenkriegszeit, die nicht oder nicht in vollem Umfang realisiert werden konnten. Die Gründe sind dabei keinesfalls im Arbeitsunwillen der Siedler zu suchen, sondern wurzeln neben dem Fehlen ausreichender finanzieller Mittel in der mangelnden Organisations- bzw. Führungsfähigkeit der Obmänner der jeweiligen Genossenschaften. Streit und Unstimmig waren an der Tagesordnung, was kurzfristig die Abberufung der Obmänner, langfristig das Scheitern des gesamten Bauvorhabens mit sich brachte.

Das langgestreckte Grundstück an der Hermesstraße wurde erst nach langen Verhandlungen und nach der Legalisierung der ungesetzlichen Grundstücksbesetzungen (Abb. 618) rechtmäßig der Siedlergenossenschaft „Friedensstadt" übertragen. 1919 waren 600 Ein- und Zweifamilienhäuser sowie 200 Kriegerheimstätten geplant: 1920, nach Zuerkennung der Gründe durch den Kriegsgeschädigtenfonds - vorerst überließ man pachtweise nur 13 Hektar Baufläche, ab 1930 konnten Häuser und Baugründe auch erworben werden, plante man sogar 2000 Häuser mit je 700 m' Grund sowie einen gemeinsamen 300 ha großen landwirtschaftlichen Betrieb.1918 hatte Hans Kampffmeyer in Deutschland seine Schrift „Friedensstadt" veröffentlicht, in der er für ca. 80 000 Einwohner, vor allem heimkehrende Soldaten und ihre Familien, Wohnmöglichkeiten entwarf. Möglicherweise wurden durch diese Schrift österreichische Kriegsteilnehmer und Invalide dazu bewogen, ihn 1920/21 als Berater für das Siedlungsvorhaben nach Wien zu berufen. Tatsächlich wurde er nach seiner Übersiedlung von Karlsruhe nach Wien mit der Leitung des Siedlungsamtes betraut. Die Tätigkeit dieses Amtes verlor jedoch ab 1927 an Bedeutung, da die Gemeinde Wien beschloß, sich mehr dem Massenmiethaus zuzuwenden; 1931 wurde das Siedlungsamt aufgelassen. In der neu eingerichteten Siedlerschule. in der die Bewohner praktische Anleitungen u.a. im Hausbau, in der Gartenpflege und in der Kleinkeitentierzucht erhielten, unterrichtete auch Adolf Loos. Von ihm stammt der allerdings nur ansatzweise realisierte Bebauungsplan: Die bestehende Hermesstraße sollte in die Planung mit einbezogen werden. Bei den Reihenhauszeilen vermied er durch das Zurückversetzen einzelner Häuser Monotonie. Die höchste Stelle des Geländes sollte durch ein hohes Gebäude mit turmartigem Charakter akzentuiert werden; auch den Teich an der tiefsten Stelle versuchte er als gesellschaftlichen Mittelpunkt zu integrieren. Entsprechende Gebäude waren am Ufer geplant.

Die Wege meines Verbauungsplanes sind so angeordnet, daß sie alle nach dem Eingang des Tiergartens gerichtet sind. Der unbewußt vom Menschen ausgetretene Pfad ist die beste Straßenführung. (...) Die bestehende Hermestraße ist rechts und links vom Wald eingefaßt. Die nächste Straße hat einen 20 m breiten Waldstreifen in der Mitte, rechts und links die Häuser. Die nächste Straße besitzt die Häuser nur auf der einen Seite, die andere hat Gärten. Erst die übernächste Straße ist beiderseitig verbaut. Durch diese Anordnung bietet jede Straße ein eigenes Bild und kann daher trotz der gleichen Bautypen nicht verfehlt werden, - was durch Kurvenstraßen nicht erreicht werden könnte.

Gegenüber der Kritik an den langen und schmalen, von Norden nach Süden orientierten Gärten wendet Loos ein: „Es wäre natürlich einfach gewesen, an Stelle der Reihenhäuser gekuppelte Häuser mit doppeltem Abstand zu machen und eine zweite solche Häuserreihe am südlichsten bestehenden Fahrweg anzuordnen, wodurch jeder Garten noch einmal so Folge wäre, daß sämtliche Zuleitungen (Gas, Wasser. Elektrizität) an zwei Häuserzeilen verlegt werden müßten, während beim langen Garten sich die Kosten der Zuleitung um die Hälfte verringern. (...) Es wird dem Ver- bauungsplan als Fehler angerechnet, daß die Gärten von Norden nach Süden orientiert sind. (...) Aber von ganz besonderer Wichtigkeit ist es, daß alle Fachmänner im Gemüsebau erklären; Die richtige Lage des Gartens ist die von Norden nach Süden (...). Es würde zu weit führen, wenn ich die Prinzipien des modernen Gartenbaues hier erörtern würde, um zu zeigen, warum ein Garten von Norden nach Süden liegen soll (Sonnenbestrahlung) und warum er möglichst langgestreckt sein soll (Windschutz).

Der von A. Loos eingereichte Bebauungsplan wurde vom Bundes-Wohnungs- und Siedlungsfonds abgelehnt.

Dennoch erfolgte die Grundsteinlegung am 3.und 4.9.1921 (Abb. 619, S. 305). Dr. Deutsch, Staatssekretär für das Heerwesen, stellte Werkzeug und Material zur Verfügung. Im Dezember 1921 waren drei Objekte (Abb. 620) fertiggestellt, 22 befanden sich im Rohbau.           

1922 wurde die Anlage in das Siedlungsprogramm der Gemeinde Wien aufgenommen. Das Engagement von Adolf Loos für die „Friedensstadt" führte von 1922-24 zu weiteren 36 Wohneinheiten nach seinen Plänen.      

Vom Zusammengehörigkeitsgefühl der Siedlungsbewohner Anfang der dreißiger Jahre zeugt der Text eines Zeitungsausschnittes; „Weihnachtsbescherung. Diese erst vor dreiviertel Jahren gegründete Ortsgruppe veranstaltete am Goldenen Sonntag unter Mitwirkung des, Friedensstädter Gesangsvereines für die Kinder der Ortsgruppenmitglieder eine  Weihnachtsfeier, bei welcher acht Kinder vor Kriegskameraden mit Kleidern und Schuhen sowie fünf arbeitslose Kameraden mit einer Geldaushilfe von je 20 Schilling beteilt wurden".

Im Jahr 1955 wurde im Zuge des Wiederaufbaues die Siedlung an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen. Ebenso erfolgte die infrastrukturelle Erschließung. Die heute nur noch in Ansätzen am Bauteil längs Hermesstraße als einheitlich geplant erkennbar.     

Baubeschreibung

Die Siedlungshäuser wurden teils freistehend, teils in Form von Reihenhäusern gebaut; von einer einheitlichen Gestaltung kann allerdings nach dem neuen Bebauungsplan von Architekt (Abb. 623) auf der Plangrundlage von 1981 kann nur einen ungefähren Eindruck der Siedlungsstruktur vermitteln. Vor allem nördlich der Hermesstraße erfolgte die Siedlungsentwicklung ohne Bezug zu einer ganzheitlichen Lösung (Abb. 622).

Neben den Typen des freistehenden und des Reihenhauses baute man auch nach dem Typus des Kernhauses (Abb. 621). Das Konzept dieser Bauweise sah eine individuelle Weitergestaltung des „Kernes" durch die Bewohner vor. Der Name der Kernhausgasse erinnert daran.

Einige der Invaliden wohnten noch jahrelang in behelfsmäßigen    Hütten. Zu ihrer Versorgung war eine Gemeinschaftsküche nach Plänen von Adolf Loos errichtet worden. Er selbst entwarf vier Reihenhäuser (Hermesstraße 87-93) mit sechs, sieben, acht und neun Metern Breite, wovon eines mit einer Mustereinrichtung aus weißen Weichholzmöbeln ausgestattet wurde.

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